LSSE in den deutschsprachigen Medien


Deutschland: Fachbeitrag in "Bauernblatt" 

Fachzeitschrift für Landwirtschaft und den ländlichen Raum in Schleswig-Holstein. 

(Ausgabe 13. September 2022) 

WIE MAN HERDENTIEREN DEN STRESS NIMMT                                 

Schweine aktuell: Low-Stress-Stockmanship im Schweinestall                                                                                                                                                       Von Dr. Ariane Horst, Janna Fritz, Landwirtschaftskammer SH

Am 31. August hatte das Verbundprojekt Netzwerk Fokus Tierwohl gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zum Seminar „Low-Stress-Stockmanship im Schweinestall“ im Lehr- und Versuchszentrum (LVZ) Futterkamp eingeladen. Im Folgenden ein Erfahrungsbericht, worauf die Tiere positiv oder negativ reagieren.

Referent war Ronald Rongen, seines Zeichens Tierarzt und Verhaltensforscher aus den Niederlanden, der die Methode des Low-Stress-Stockmanship (LSS) auf landwirtschaftlichen Betrieben und auf Schlachthöfen schult.

LSS stammt aus den USA und heißt frei übersetzt „stressarmer Umgang mit Herdentieren“. Ziel ist es, den Umgang mit den Tieren so zu gestalten, dass die natürlichen Verhaltensweisen genutzt und berücksichtigt werden können und so weniger Stressfaktoren für das Tier entstehen und die Unfallgefahr für den Menschen minimiert wird. Vor allem beim Mastschwein ist die Auswirkung von Stress auf die Mastleistung und Fleischqualität hinreichend erforscht. Aber auch im täglichen Umgang mit den Sauen und Aufzuchtferkeln kann unfachmännisches Treiben zu Stress führen, der sich negativ auf die Gesundheit und Leistung der Tiere auswirkt.

Fluchtzone und Balancepunkt

Die Fluchtzone des Schweins ist tier- und situationsabhängig. Intention des Schweins ist bei seiner individuellen Fluchtzone immer der „sichere“ Abstand zum Tierbetreuer. Es lässt sich beobachten, dass die Tiere eine Art 360°-Kreis um sich herum als Fluchtzone schaffen, unabhängig davon, ob sie alleine oder in der Gruppe sind. An oberster Stelle steht für ein Schwein aber immer der Anschluss an die Gruppe, weil der Herdeneffekt dem Tier Sicherheit gibt. Deshalb ist es einfacher, eine Gruppe von Schweinen zu bewegen als ein einzelnes Tier von der Gruppe zu selektieren.

Der Balancepunkt des Schweins bestimmt die Richtung und den Richtungswechsel und kann im Zusammenhang mit der Fluchtzone für den treibenden Menschen genutzt werden, um das Tier in die gewünschte Richtung zu bewegen, ohne unnötig körperlichen Druck auszuüben.

Das Schwein verlässt sich bei der Fortbewegung und der Orientierung in erster Linie auf sein Gehör und seinen Geruchssinn. Das Sehvermögen spielt bei der Orientierung nur eine untergeordnete Rolle.

Schweineverhalten: Fluchtzone, Balancepunkt und blinder Fleck beim Schwein. Quelle: Ronald Rongen

Hören, Riechen und Sehen

Laute metallische Geräusche, wie das Aufeinanderschlagen von Werkzeug und Metall, weckt zwar die Neugier der Tiere, erzeugt aber unnötigen Druck, der zu Stress führen kann. In dem Fall kann man beobachten, wie alle Tiere zusammenzucken, die Ohren und den Kopf alarmiert aufrichten, die Augen weit aufreißen und Spannung in den ganzen Körper kommt. Hohe, helle Töne sind im Gehirn der Schweine mit Gefahr und Anspannung verknüpft (zum Beispiel das Schreien der Ferkel beim Hochheben oder das Schreien der Sauen während eines Rangkampfes). Tiefe, brummende Töne hingegen zeigen die Tiere in entspannten Situationen (etwa Grunzen der Sau während des Säugens). Andere, weniger intensive akustische Reize, wie zum Beispiel eine Rassel oder ein Shaker-Paddel können als Hilfsmittel verwendet werden.

Für den visuellen Reiz kann ein „Matadorencape“ als Abgrenzung dienen. Gelbe Gegenstände dienen ebenso als Hilfsmittel. Die Farbe Gelb wird von nahezu allen Herdentieren als Warnung empfunden. Hintergrund sind die in der Natur vorkommenden gelben Giftpflanzen und giftigen Tiere, die meist auch die Farbe Gelb als Warnsignal tragen.

Ohne Druck in Bewegung bleiben

Schweine bewegen sich in der Gruppe kreisend um den Tierbetreuer, der sich der Gruppe nähert. Diesen Bewegungsfluss halten sie aufrecht und orientieren sich dabei an den vorderen Tieren. Ohne Druck und Lärmäußerungen kann der Tierbetreuer diesen Fluss nutzen, um die gewünschte Richtung der Tiere einzuschlagen. Vereinfacht wird dies zusätzlich durch eine reduzierte Gruppengröße, wodurch sich die Tiere locker verteilen und so weniger Einzeltiere durch das Querstellen den Weg versperren.

Ein Zurückweichen, Sich-Sträuben und Erstarren, genauso wie der Versuch, am Tierbetreuer vorbeizulaufen, lassen nach Rongen auf eine Angstreaktion und Stress schließen.

Haltung auf Stresspotenzial überprüfen

Rongen betont, dass es immer eine Ursache gebe, wenn Schweine zögernd liefen oder ganz blockierten. Es sei die Aufgabe des Tierbetreuers, diese Ursachen ausfindig zu machen und die Stalleinrichtung auf potenzielle Stressquellen zu prüfen. Als Beispiele für solche Hindernisse nannte der Verhaltensforscher für das Tier unbekannte Bodenstrukturen, Gegenstände (Schaufel), Gullideckel, extreme Licht-Schatten-Verhältnisse und so weiter. Auch die Anwesenheit zusätzlicher Personen kann das Verhalten der Schweine stark beeinflussen. Ebenso kann das Herausführen der Schweine aus vollen Ställen durch enge Türen und Tore ein Hindernis darstellen. Durch das Reduzieren der Gruppengröße kann das Treiben erheblich vereinfacht werden. Je häufiger aber ein Kontrollgang mit intensiver Tierbeobachtung in den Buchten erfolgt, desto weniger ausgeprägt ist das Fluchtverhalten der Schweine. Auch das Treiben nach der LSS-Methode kann bei den Kontrollgängen in der Bucht praktiziert und so von den Schweinen erlernt werden. Dies kann beispielsweise beim Verladen das Treiben der Tiere für alle Beteiligten vereinfachen.


Deutschland: Fachbeitrag in "Rheinische Bauernzeitung", Koblenz 

(Ausgabe 35, 3. September 2022) 


Deutschland: LAND & FORST-Die Wegweiser: Stressarmer Umgang mit Weidetieren

Kristina Wienand | am  

In unserem Podcast "LAND & FORST-Die Wegweiser" sprechen wir mit Experten.

Ronald Rongen gibt Seminare zu Low Stress Stockmanship.

Wenn man weiß, warum Rinder in welcher Situation wie reagieren, kann man bei der täglichen Arbeit nicht nur Stress vermeiden, sondern auch viel Zeit sparen. Darauf baut die Methode des Low Stress Stockmanships auf, mit der sich der Belgier Ronald Rongen umfassend auseinandergesetzt hat. Der Experte stellt sich in der neuen Podcastfolge den teils kritischen Fragen von Laura Schneider, LAND & FORST-Redakteurin für den Bereich Tierhaltung.

 

Rongen erläutert in dem Gespräch unter anderem, wie seine Aussage „Mach langsam, wir haben keine Zeit“ gemeint ist.

Denn wenn man sich mit den Grundlagen des Low Stress Stockmanships (LSS) beschäftigt, braucht man im praktischen Arbeitsalltag zunächst etwas Geduld.

Doch die Zeit, die man sich anfangs zum Beispiel beim Training der Kälber nimmt, zahlt sich langfristig aus, ist Rinderexperte Ronald Rongen überzeugt.

 

Rinder schaffen bis zu 52 km/h

Um LSS erfolgreich anwenden zu können, muss man sich in die Wahrnehmung der Tiere hineinversetzen, rät Rongen. So sind Rinder uns etwa in puncto Schnelligkeit überlegen, wie Rongen bei einem Seminar des Netzwerks Fokus Tierwohl in Großefehn verdeutlichte: „Rinder schaffen bis zu 52 km/h – nicht lange, aber länger als wir.“ Die Konsequenz: „Wir müssen das clever angehen, wenn wir mit ihnen arbeiten.“

 

Arbeit mit Rindern sicherer und effizienter machen

Das Ziel von LSS ist, die Arbeit mit Rindern sicherer, effizienter und schneller zu machen, indem man das Stresslevel möglichst geringhält. Das gelingt, indem man berücksichtigt, wie Rinder ihre Umgebung wahrnehmen und wie sich das auf ihr Verhalten auswirkt. Wie genau das aussehen kann, schildert Rongen anhand einiger Beispiele eindrücklich in der Podcastfolge.

Welche fünf Regeln im Umgang mit Rindern gilt es zu beachten, um den Stress für Weidetiere und deren Besitzer zu mindern? Dazu gibt Ronald Rongen allen interessierten Tierhaltern im Gespräch - und bei Seminaren - wertvolle Tipps. Darin betont er zum Beispiel auch: „Wichtig ist, dass ich den Druck allein mit meiner Körperhaltung aufbaue. […] Ich benutze meine Hände nicht und ich berühre das Tier nicht.“

Zum Podcast gelangen Sie hier


Deutschland: Bachelorarbeit "Low Stress Stockmanship - Herausforderungen bei der Umsetzung" vorgelegt von Frau Nina Leeser

(April 2022) 

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Österreich: Fachbeitrag in "LANDWIRT Weidewissen kompakt"

(Ausgabe März 2022) 


Österreich: Fachbeitrag in "LANDWIRT Agrarforum"

(Ausgabe 5/2022)  


Deutschland: SEMINAR ZUM ERLERNEN DER LOW STRESS STOCKMANSHIP-METHODE, ORGANISIERT VOM LANDESBETRIEB LANDWIRTSCHAFT HESSEN (LLH)


Deutschland: Bauernzeitung (Ausgabe 51./52. Woche 2021


Deutschland: SEMINAR ZUM "LOW STRESS STOCKMANSHIP" FÜR DIE TECHNIKERKLASSE DES DLR EIFEL

Am 22.11.21 konnte die Technikerklasse des DLR Eifel an einem Seminar zum Low Stress Stockmanship mit Ronald Rongen teilnehmen.

Das Seminar wurde vom Netzwerk Fokus Tierwohl veranstaltet. Die Methode kann helfen, tiergerechter, sicherer und effizienter zu treiben.

Weniger Stress im Stall und auf der Weide trägt zu erhöhter Arbeitsfreude und Sicherheit bei Tier und Mensch bei.

 

Mit den eher widersprüchlichen Worten: „Mach langsam, wir haben keine Zeit“ eröffnete Herr Rongen das Seminar.

Er beschreibt damit Situationen, die in jedem Betrieb schon vorgekommen sind. Ein Rind, welches vorher noch nie transportiert wurde, soll auf den Viehanhänger. Wer nimmt sich im Vorfeld die Zeit, den Vorgang des Verladens mit seinen Tieren zu trainieren? Wahrscheinlich die wenigsten. Doch wenn Tag X da ist, an dem die Tiere dann auch wirklich auf den Anhänger gehen sollen, ist die Aufregung meist groß. Sowohl bei den Tieren, als auch den Personen, die beim Verladen beteiligt sind. Sitzt einem dann auch noch die Zeit im Nacken, kommt es mitunter zu Situationen, die für Mensch und Tier gefährlich werden können. Man sollte sich also im Vorfeld Zeit nehmen, die Tiere und sich selbst entsprechend zu trainieren um gewisse Abläufe schnell und stressfrei durchlaufen zu können. 

 

Der ausführliche und interessante Theorieteil am Morgen wurde durch anschauliche und praktische Arbeit im Betrieb von Tobias Meutes weiter vertieft. Hier konnten die Schüler das Gehörte unter Anleitung von Herrn Rongen in die Praxis umsetzen.

Vielen Dank an Herrn Rongen und Netzwerk Fokus Tierwohl für den lehrreichen Tag.

 

Autoren: Christine Thielen und Hannah Herres, DLR Eifel


Österreich: Fachbeitrag in "Landwirt bio", -Die Fachzeitschrift für die bäuerliche Familie-

(Ausgabe November 2021)  


Österreich: Fachbeitrag in "Landwirt bio", -Die Fachzeitschrift für die bäuerliche Familie-

(Ausgabe November 2021)  


Deutschland: Stressfreies Treiben von Rindern

LOW STRESS STOCKMANSHIP-METHODE WAR THEMA VON VERSCHIEDENEN WORKSHOPS IN NORDDEUTSCHLAND

August 2021:

 

„Mach langsam – wir haben keine Zeit!“. Mit diesem zunächst widersprüchlich scheinenden Statement begrüßt Ronald Rongen, „Cowmunicator“ (Low Stress Stockmanship Europe), die Zuhörer auf seiner Reise durch Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Insgesamt wurden im Rahmen des Netzwerk Fokus Tierwohl fünf Seminare zum stressfreien Treiben von Rindern durchgeführt.

Ronald Rongen, „Cowmunicator“ erklärt, dass "langsam machen" die effektivere Methode zum stressfreien Treiben ist.

Bild: Patricia Lößner, LFA Mecklenburg-Vorpommern

Stressfreies Treiben durch richtige Körpersprache

Wer Ronald Rongen mit den Tieren arbeiten sieht, der erkennt schnell, dass „langsam machen“ schneller geht. Hektik, Pfeifen, Schreien oder Klatschen bei der Arbeit mit Kühen und Kälbern verursachen Stress und sollten daher vermieden werden. Die menschliche Stimme ist als Steuerungsinstrument ohnehin viel zu unspezifisch und daher ungeeignet. Deutlich besser lässt es sich mit den Kühen durch Körpersprache arbeiten. Jeder sollte durch einen ruhigen und freundlichen Umgang gegenseitiges Vertrauen aufbauen und deutlich machen, wer der Herdenführer ist. Häufig wird Rongen von den Praktikern die Kritik entgegengebracht, dass diese Art des Treibens viel zu viel Zeit koste. Das ist nicht der Fall, wenn mit der Low Stress Stockmanship-Methode bereits bei den Kälbern begonnen wird. Dazu bedarf es nicht mehr Zeit, sondern kann in die anfallenden Routinearbeiten integriert werden. Lernen die Tiere bereits im Kälberalter einen guten Umgang durch den Menschen als Herdenführer, sind bei den ausgewachsenen Tieren keine oder nur wenige weitere Übungseinheiten notwendig. Kinder lernen am besten – so ist es eben auch bei den Tieren. Herr Rongen selbst hat beispielsweise einen Behandlungsstand im Kälberstall integriert. So nehmen die Tiere diesen spielerisch wahr und verlieren die Angst davor. Bekannte Dinge verringern den Stresspegel bei anfallenden Behandlungen erheblich.

 

Sinneswahrnehmung von Rindern

Wichtig ist es, sich vor der Anwendung der Low Stress Stockmanship-Methode vor Augen zu führen, wie Rinder ihre Umwelt und den Menschen überhaupt wahrnehmen. Dabei half ein Online-Vortrag zum Thema „Die Sinne der Kuh – Missverständnisse und Stress im Stall reduzieren“ mit Benito Weise vom Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem. So konnten sich die Teilnehmer und auch andere Interessierte im Vorhinein schon intensiver mit der Sinneswahrnehmung von Rindern befassen, bevor es in die Praxis überging. Herr Weise fasste Fakten aus Wissenschaft und aktueller Forschung zum Instinktverhalten und zum Hör-, Seh- und Geruchsvermögen der Rinder zusammen und verknüpfte die Informationen gleich mit praktischen Tipps für den Arbeitsalltag. Wo können wir im Stall und beim direkten Umgang mit den Tieren mehr Rücksicht nehmen? Wie lassen sich die Arbeitsprozesse für die Landwirte und die Mitarbeiter besser gestalten?

 

Auch hier war Stressvermeidung die wichtigste Grundlage bei der Arbeit mit den Tieren. „Rinder sind keine Kuscheltiere“, ihnen sollte mit Respekt und der passenden Individualdistanz, keinesfalls aber mit Angst oder Ungeduld, begegnet werden. Die Möglichkeit zur Kommunikation und zum ruhigem Handling ist so am ehesten gegeben. Rinder sind Fluchttiere, die sich am sichersten in der Gruppen- oder Herdenstruktur fühlen. Eine Absonderung bedeutet dabei immer Stress, dem man sensibel und ruhig begegnen sollte.

 

Rinder hören deutlich besser als Menschen

Das Gehör nimmt bei Rindern eine überragende Rolle ein, da es Defizite des Sehvermögens ausgleichen muss. Rinder haben im Infra- und Ultraschallbereich ein viel besseres Gehör als der Mensch. So sind besonders die hohen Töne, die das menschliche Ohr schon nicht mehr wahrnimmt, für das Tier noch gut hörbar und oftmals sehr unangenehm bis schmerzhaft. Darunter fallen besonders die hohen metallischen, elektronischen, hydraulischen und pneumatischen Geräusche der Fressgitter, Scharniere, Tore, Vakuumpumpen, undichter zischender Leitungen, Transformatoren, Melksysteme und Klauenstände, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Sehen können Rinder fast in Rundumsicht, allerdings nur mit 30-prozentiger Sehschärfe des Menschen. Das Rind umgibt ein Sehfeld von 330 Grad. Blinde Flecken befinden sich direkt vor dem Flotzmaul und hinter dem Tier. Die seitliche Anordnung der Augen ermöglicht nur eine Überschneidung des Sehfeldes im Frontbereich, wo dann ein räumliches, also dreidimensionales, Sehen möglich ist. Seitlich haben die Tiere keine Tiefenwahrnehmung und können Größe und Geschwindigkeiten nur schwer einschätzen. Ihre Einzelbildwahrnehmung ist viel sensibler, so ist flackerndes Licht für sie eher sichtbar und kann sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken. Die Anpassung an sich verändernde Lichtverhältnisse ist hingegen 5- bis 6-mal langsamer als beim Menschen. Das heißt, wechseln Rinder vom Hellen ins Dunkle oder andersherum, sehen sie erstmal etwa 5 Sekunden nichts von der Umgebung. Die Farbe Rot ist für Rinder nicht sichtbar, leicht wahrnehmbar hingegen sind Grün/Gelb, Blau-Violett und Graustufen, wobei die Farbe Gelb als Signalfarbe einen besonderen Stellenwert einnimmt. Da es zunächst irritierend auf die Tiere wirkt, sollte man dies bei der Farbwahl der Stallausrüstung sowie der Arbeitskleidung und -materialien berücksichtigen.

 

Rinder entnehmen dem, was sie riechen, viele Informationen. Stress und Nervosität werden so genau wahrgenommen, ob von den Artgenossen oder dem Menschen.

 

Gestaltung der Haltungsumgebung 

Was gilt es also zu bedenken? Schnelle Bewegungen bringen Unruhe, eigene Nervosität und Stress werden von den Tieren sofort wahrgenommen. Die Haltungsumwelt der Tiere und die Umsetzung von Einzelmaßnahmen sind bestmöglich von hohen und quietschenden Geräuschen metallischer, elektronischer, hydraulischer und pneumatischer Einrichtungen zu befreien. Es lohnt sich, auf hohe Qualität von elektrischen Bauteilen bei der Beleuchtung zu achten, um auch hier störende Geräusche und Lichtflackern zu vermeiden. Mindestens für den Melk- und Behandlungsbereich und die Laufgänge empfiehlt sich unbedingt eine gleichmäßige Beleuchtung. Dabei spielt die Intensität eine untergeordnete Rolle. Schlagartige Beleuchtungswechsel sind nachteiliger als eine dunklere Ausleuchtung oder Dämmerungsverhältnisse zu beurteilen. Lauf- und Treibgänge sollten einen matten und nicht reflektierenden, pfützenfreien Untergrund aufweisen, um Blendung durch grelles Licht vorzubeugen.

 

Die Details der Vorträge, die Möglichkeit zur Diskussion und die Praxisübungen haben die Vorerfahrungen und Vorkenntnisse der Teilnehmer ergänzt und sie sicher den einen oder anderen Hinweis mit auf die eigenen Betriebe nehmen lassen. Sind viele dieser potentiellen Stressoren schon im Vorhinein abgestellt und geht der Mensch routinierter, zielgerichteter und bewusster auf die Wahrnehmung und die Instinkte der Tiere ein, kann man auch ruhiger, sicherer und letztlich auch zügiger mit seinen Tieren arbeiten. Unerwünschte Reaktionen der Tiere lassen sich so besser vorhersehen, verstehen und oftmals vermeiden.

 

Autoren: Natalie Wagner (LELF Brandenburg), Patricia Lößner (LFA Mecklenburg-Vorpommern), Janna Fritz (LWK SH) 


Österreich: Fachbeitrag in "LANDWIRT Agrarforum"

(Ausgabe 2/2021)  


Deutschland: RinderAllianz-LIVE-Webinar "CowSense - meets Ronald Rongen!"

20 Oktober 2020


Österreich: Fachbeitrag in "LANDWIRT Agrarforum"

(Ausgabe 23/2020)  


Österreich: Fachbeitrag in "LANDWIRT Agrarforum"

(Ausgabe 18/2020)  


Österreich: Fachbeitrag in "LANDWIRT Agrarforum"

(Ausgabe 1/2019)